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Italo Reno & Germany
Lest hier eine Bio der beiden sympatischen Rapper aus Minden, die sich nicht mit deren gesamtem Leben befasst, sondern eher auf das letzte Album "Hart aber herzlich" abzielt. Auf jeden Fall sehr interessant geschrieben.

Wenn irgendwo der Name Programm ist, dann hier. Wie Italo Reno & Germany als Menschen sind, so ist ihre Platte geworden: direkt, ehrlich, tiefgründig – und alles andere als weich.

Sie sagen, was sie denken, und dadurch finden sich auf dem Album Songs wie das sexy „Heut Nacht“, das einen singenden Olli Banjo featured. Die akustische Soul- Hommage „Nur Du“ oder der filmisch inszenierte „Überfall“ bilden einen harten, aber herzlichen Soundtrack für die Strassen, Köpfe und Ärsche zugleich.

Italo Reno & Germany sind „real“, ohne eine zum Trend passend aufgesetzte Gangster-Attitüde oder
romantische Ghetto-Glorifizierung an den Tag zu legen. Dieser positive Kampfgeist, der durch eine selbst erlebte Notwendigkeit entstanden ist, spiegelt sich perfekt in der Aufbruchshymne „Ihr schafft das“ wider.

Italo Reno & Germany schreiben für Mütter, die
allein ihre Kinder erziehen, und für alle, „die im Alter von 13 als Heimkind aufwachsen“.
Und sie sprechen von Drogen, die zu Medizin werden, um nachts nicht wach zu liegen.

Themen, die bei anderen Rappern in Klischees und Phrasendrescherei enden, fassen Italo Reno & Germany mit viel Seele und präziser Sprache an. Die Songs versprühen eine Authentizität, der man glaubt und, vor allem, zuhört. Doch das Mindener Duo ist weit davon entfernt, den Hörer mit Problemen und Sorgen zuzuschütten.

Selbstironischer als in dem Song „Morgen“ (zusammen mit Joachim Deutschland) hat kaum jemand zugegeben, dass er eigentlich eine faule Sau ist. Denn wie wir alle lieben auch Italo Reno
& Germany die schönen Seiten des Lebens – Feste feiern, gutes Essen, Angeln und ein paar schöne Frauen. Gerade die Frauen dieser Welt sind es, die Italo Reno & Germany Pimp-Slammer wie „Tanz für Mich“ (feat. Kool Savas, Samir und Olli Banjo) und „Bitch“ (feat. Kool Savas) mit einem breiten Grinsen feiern und den Jungs großzügig verzeihen
müssen, wenn diese textlich auch mal über die Stränge schlagen.

Gerade bei „Bitch“ verbinden sich 90-er mit 04-er-Style und lässige X-Rated-Lyrics mit Spitzbubencharme und Punkrock-Gitarren. Allein der Song hat genug Potential, um HipHopper, Clubgänger, Punker und Zeltfest-Stammgäste gemeinsam zum Springen zu bringen.

Auch die musikalische Bandbreite von „Hart Aber Herzlich“ ist enorm. Neben dem Stammproduzenten-Team Busy, Curse und Patrick Ahrend, die zuletzt für „Und Was Ist
Jetzt?“ von Curse verantwortlich zeichneten, bringen diverse Gastproduzenten die besten
Zutaten aus allen Bereichen hinzu. So kreieren Jaleel und Shusta aus dem Chemnitzer
Phlatline Camp massig Bounce, und Kool DJ GQ bereichert „Hart Aber Herzlich“ um die
Soulhymne „Du“, die Live Instrumente mit klassischen Beats verbindet.

Im energetischen Gegensatz dazu gibt es wiederum hundert weitere Takte, die klipp und klar zeigen, dass die beiden MCs auf höchster Punchline-Dichte agieren.

„Hart Aber Herzlich“ ist das, was wir an HipHop lieben: energetisch, ehrlich, tief, aber auch „stupid fresh“, „def“ und voller Feuer. Oder einfach das wohl kompletteste, ausgereifteste und vielversprechendste, deutsche HipHop-Debüt seit langem.


Italo Reno und Germany sind bzw. waren am 18. März 2005 bei "Flava in Concert" im Jugendzentrum B58 in Braunschweig zu Gast.

http://www.italoreno-germany.de/

2005-01-28